Dr. Jeremy Sagala

“die Grenzen der Sprache” (2014). Altflöte / Flöte, B ♭ Klarinette, Tuba, Schlagwerk, Klavier

Eine Arbeit für Altflöte / Flöte, B ♭ Klarinette, Tuba, Schlagwerk, Klavier. Premiere in Münster, DE am 10. Juni 2014.

In einem Versuch, die schwierige Frage der “Bedeutung” in meiner Musik weiter zu erforschen, wende ich mich mehr und mehr dem Studium sprachlicher Parallelen hin. Das wiederum hat mich zu Wittgenstein geführt und seinem Tractatus Logico-Philosophicus.  Seine These, dass “die Grenzen meiner Sprache die Grenzen meiner Welt sind” habe ich als Kernpunkt meiner Beschäftigung mit diesem Thema erkannt. Er stellt weiter fest, dass „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“  Aber was kann dies im Gebiet der Musik bedeuten? Sind die Ähnlichkeiten zwischen Musik und Sprache genug, dass man dieser Linie des Denkens innerhalb einer Klangsprache logisch folgen könnte? Diese Gedanken blieben während der gesamten Komposition dieses Werks und seines konzeptionellen Begleiters, meinem Stück für Solo-Trompete/MaxMSP the Strand (3.262) präsent.

Als Quellenmaterial erzeugte ich Audio-Aufnahmen von mir, verschiedene Zeilen aus dem Tractatus lesend, und analysierte diese spektral um den Anteil der Obertöne darin zu bestimmen. Dieses rohe musikalische Material wurde dann bearbeitet und auf verschiedene Weisen aufgegliedert. Aus den daraus resultierenden Transformationen wurden Teile ausgewählt, die das gewünschten Narrativ suggerieren: ein Vordringen, ein Strecken bis dahin, wo eine hervorgehobene Linie (Instrument) die Grenzen bis zu einem gewissen Limit auslotet. Diese Grenze kann technisch sein (z.B. extrem hohe / niedrige Noten in der Tuba), oder eine abstrakte musikalische Idee, bei der das Material in gewisser Weise dazu gebracht wird, Grenzen zu überschreiten (z.B. die Beschleunigungen zu einem Rausch aus kaskadierenden Noten). Die Arbeit untersucht auch eine ganze Palette von musikalischen Räume und Texturen. Diese Paarungen definieren den musikalischen Raum – ein einzelnes Instrument wird mit dem Ensemble kontrastiert, langsamere nachdenkliche Passagen mit Energie und Kantigkeit ergänzt, die psychologische Wirkung von ‘Erinnern’ vorheriger Musik wird neuen Überraschungen gegenübergestellt. Jedes Instrument wird in einer einzigartigen Weise gekennzeichnet, bemüht, seine eigene Grenze zu erreichen.

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