Dr. Jeremy Sagala

“Signe” (2009). Für Altflöte mit Max/MSP.

Signe” oder Zeichen, wurde für verstärkte Solo-Flöte und digitale Audiowiedergabe geschrieben. Der Spieler wird mit einem einzigen Mikrofon verstärkt, das dann digital verarbeitet wird. Die digitale Wiedergabe und Effekte werden durch einen einzigen Max/MSP-Patch gesteuert.

Die Erzählung des Stückes ist vom zyklischen Wechsel der natürlichen Farben der Jahreszeiten inspiriert. Bestimmte Farben wurden als Vertreter der jeweiligen Jahreszeit ausgewählt – ein kühles Blau und erdiges Braun für Frühling, ein üppiges Oliv und tiefes, feuriges Rot für den Sommer, ein zurückhaltendes Orange und ruhiges Gelb für den Herbst sowie düsteres Schwarz und Weiß für den Winter. Jeder dieser Farben wurde dann eine repräsentative Harmonie zugewiesen, wobei eine geringere Farbsättigung zu einer helleren, offeneren Harmonie führte. Lebhafteren Farben wie Rot und Orange wurden Harmonien basierend auf dem Prinzip der Frequenzmodulation zugeordnet, was zu unharmonischen Spektren führte, während die eher neutralen und inaktiven Farben wie Grün und Blau in Harmonien auf Grundlage der Naturtonreihe übersetzt wurden, insbesondere modelliert nach dem charakteristischen Klang der Flöte.

Im Laufe des Stücks wird dem Hörer trotz des intimen Klangs der Soloflöte ein Gefühl der Distanz vermittelt. Die übergeordnete Wahrnehmung ist, dass man den Wechsel der Jahreszeiten aus der Ferne beobachtet… der Eindruck einer paranormalen Erfahrung wird durch die Tatsache bestärkt, dass mehr als vier Zyklen von Harmonien (oder Jahreszeiten) innerhalb eines Zeitraums von 5 Minuten erscheinen, was auf eine veränderte Wahrnehmung von Zeit hindeutet.

Die verwendete Elektronik erweitert die Klangfarbe der Flöte und die auf den Live-Spieler angewandten Effekte diffundieren die Position der Schallquelle. Erkennbare Fragmente der Flötenlinie treten hervor und weichen zurück im Strom der elektronischen Klänge, erneut die Grenze verwischend, zwischen dem, was “real” ist und was nicht. In der Gesamtwahrnehmung basiert das Stück letztlich auf der Verzerrung der Wahrnehmung des Zuhörers – von der ungewöhnlich flinken Bewegung des poetischen “Wechsels der Jahreszeiten”, zur Mehrdeutigkeit der Schallquelle, erzeugt durch die enge Wechselwirkung zwischen der digitalen Audioquelle und der verstärkten Flöte.

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Die Arbeit ist vollständig spektral, was bedeutet, dass Harmonien aus einzelnen Klangfarben abgeleitet sind. Zum Beispiel kann eine Flötenote in einzelne Teiltöne die der Naturtonreihe folgen, aufgebrochen werden. Wenn die Flöte ein A über dem mittleren C spielt, ist der tiefste Partialton 440 Hz. Der zweite Partialton beträgt 880 Hz (ein A eine Oktave höher), der dritte 1320 Hz (eine Duodezime darüber), und der vierte 1760 HZ (zwei Oktaven über dem Grundton). Diese Serie setzt sich theoretisch unendlich fort. Einige Teiltöne dieser Serie werden lauter sein als andere und diese Varianz ist es, die es unserem Gehör ermöglicht Klangfarben zu erkennen. Jedes Instrument hat seinen eigenen “Fingerabdruck” aus Partialtönen und einer bestimmten Lautstärke eines jeden dieser Teiltöne. Diese Frequenzen können berechnet und in Tonhöhen übersetzt werden und damit kann eine Klangfarbe in Form von Akkorden neu erstellt werden. Durch Verwendung anderer mathematischer Beziehungen können andere Harmonien erzeugt werden, wie sie in der Ringmodulation und Frequenzmodulation (FM)-Synthese verwendet werden. Alle genannten konstruktiven Prinzipien führen häufig zu Frequenzen, die nicht eindeutig in ein temperiertes 12-Ton-System passen und häufig werden Vierteltöne (oder manchmal auch kleiner) eingesetzt.

Der Ursprung dieser Ausdrucksweise befasst sich mit dem Hörer direkt, im Gegensatz zu vielen Philosophien der modernen Musik. Daher ist der Einsatz von Psychoakustik von Nutzen für den spektralen Komponisten, wobei kompositorische Entscheidungen durch praktische Kenntnisse beeinflusst werden, wie unser Gehirn Klang verarbeitet. Ich habe daran gearbeitet, diesen Ansatz durch die Anwendung der kognitiven Psychologie zu erweitern und versucht, musikalische Strukturen und Entwicklungen zu schaffen, die als vom Hörer als “organisch” oder “natürlich” wahrgenommen werden.

score

von Nicole McPherson durchgeführt.


Andrew Bishop von der Universität Western Sydney, Australien: